Pantone Plus Series: LAB-Farbdefinitionen und deren Auswirkungen

Der letzte Blogeintrag handelte von den aktuellen Farbfächern und den digitalen Bibliotheken der »Pantone Plus Series«. Heute möchte ich auf eine weitere Änderung eingehen, die mit der Plus-Serie eingeführt wurde: die ausschließliche Nutzung von LAB-Farbdefinitionen.

Kurz zu den Basics:


Sonderfarben besitzen Farbdefinitionen in einem »Alternate Color Space«. Diese Definitionen sind dafür zuständig, dass die Farben auf Geräten, die mit Sonderfarben nichts anfangen können (beispielsweise Monitore oder Officedrucker), angezeigt bzw. ausgegeben werden können. Dabei kann es sich sowohl um RGB-, CMYK-, oder auch LAB-Definitionen handeln. Vor der Plus-Serie enthielten die Pantone-Bibliotheken sowohl CMYK- als auch LAB-Definitionen (siehe aber Ausnahmen weiter unten). Seit der Umstellung auf die Plus-Serie (welche zum ersten Mal mit CS6 ausgeliefert wurde) werden nur noch LAB-Definitionen mitgeliefert. Auf welche Farbdefinition gerade zurückgegriffen wird, kann man in Illustrator und InDesign an den kleinen Icons erkennen:

LAB vs. CMYK-Definition


CMYK vs. LAB

CMYK- (und auch RGB-)Definitionen haben wie immer den Nachteil, dass sie geräteabhängig sind. Sie passen also nur zu einer Ausgabebedingung (z.B. Bogenoffset auf gestrichenem Papier = ISO Coated v2). Dazu kommt jedoch, dass man bei den von Pantone empfohlenen CMYK-Definitionen die genaue Ausgabebedingung gar nicht kennt. Die CMYK-Definitionen haben somit keine Bedeutung. Denn erst wenn man die Ausgabebedingung bzw. das dazu passende Farbprofil kennt, wird aus einem reinen Wert eine Farbe. Die LAB-Definitionen hingegen sind geräteunabhängig. Bei der Verwendung wird daher immer in das aktuelle Dokumentprofil konvertiert und somit perfekt an die spätere Ausgabebedingung angepasst. Das konsequente Verwenden von LAB ist also aus farbmetrischer Sicht eine willkommene Neuerung.

Pantone_Vergleich

Die Abbildung zeigt deutlich, dass eine Pantone-Farbe, je nach Farbprofil, zu unterschiedlichen CMYK-Werten führt. Zum Vergleich habe ich auch noch die von Pantone mitgelieferte CMYK-Definiton aus einer alten Bibliothek angeführt.

Ausnahmen:

Mit den »Pantone+ Color Bridge«- und »Pantone+ CMYK«-Fächern gibt es zwei sinnvolle Ausnahmen, die früher und auch heute ausschließlich auf CMYK-Definitionen basieren. Sinnvoll deshalb, weil die Fächer, um einen Vergleich zur echten Sonderfarbe herzustellen, tatsächlich mit Prozessfarben gedruckt werden. Im restlichen Artikel schließe ich diese Produkte aber bewusst aus.


LAB vs. CMYK-Definition

Softwareintegration:

Photoshop nutzt für alle Pantone-Bibliotheken (abgesehen von den oben genannten Ausnahmen) seit Version 7.0 LAB-Definitionen. Illustrator kann seit der Version CS2 auch auf LAB-Definitionen zurückgreifen. Tat dies aber bis inklusive CS5 standardmäßig nicht. Um die korrekte LAB-Simulation zu sehen, musste man entweder die Volltonfarboptionen dementsprechend konfigurieren (siehe Abbildung unten) oder die Überdruckenvorschau aktivieren. Auch InDesign unterstützt seit CS2 LAB-Definitionen. Aber egal welche Programme nun auf welche Definitionen zurückgriffen, seitdem Pantone ausschließlich LAB-Definitionen verwendet, haben auch Illustrator und InDesign nicht mehr die Möglichkeit auf CMYK-Werte zuzugreifen. Die Optionen »Standard-Lab-Werte für Volltonfarben verwenden« in InDesign und »Im Herstellerhandbuch angegebenen Lab-Werte verwenden« in Illustrator sind damit obsolet.

LAB-Werte in InDesign und Illustrator

Was hat das für Auswirkungen?

Durch die Verwendung von LAB hat man, wie eingangs erwähnt, die Gewissheit, dass die Sonderfarben farbmetrisch immer bestmöglich in das Dokumentprofil überführt werden. D.h. die Simulation am Monitor oder am Officedrucker ist visuell so nah wie möglich am Original. Am finalen Druckerzeugnis gibt es natürlich gar kein Unterschied. Werden Pantone-Farben also für den Zweck eingesetzt, für den sie konzipiert wurden, hat man nur Vorteile.

Viele Anwender benutzen Pantone-Farben aber für die Gestaltung, obwohl später nie mit Pantone-Farben gedruckt werden soll. In diesem Fall hat die Änderung teils grobe Auswirkungen. Denn ein altes, mit den von Pantone zur Verfügung gestellten CMYK-Definitionen erstelltes Dokument wird niemals dieselben Werte aufweisen, wie ein neues, mit den von LAB nach Dokument-CMYK umgewandelten Werten. Das bloße Gestalten mit Pantone-Farben ist aber sowieso ein No-Go und daher gehe ich nicht näher auf diese Problematik ein. Für alle, die sich mit diesem Problem konfrontiert sehen, hat Adobe diesen Artikel veröffentlicht.

Noch ein kleiner Nachtrag: Mithilfe des Pantone Color Managers hat man übrigens auch die Möglichkeit, sRGB-Definitionen zu verwenden. In der Druckvorstufe sehe ich dafür aber keine Notwendigkeit.

Pantone Color Manager sRGB

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